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Das Teilzeitstudium findet typischerweise in einer Kombination aus Eigenstudium und Lehrveranstaltungen an Wochenenden, Abenden oder einzelnen Werktagen statt. Anders als beim Fernstudium, das ebenfalls überwiegend in Teilzeit betrieben wird, sind beim echten Teilzeitstudium auch Präsenzseminare und Vorlesungen am Heimatort oder zumindest in Wohnortnähe fester Studienbestandteil. Je nach Ausgangssituation der Studierenden sind die jeweiligen Teilzeitmodelle zum Besuch von Lehrveranstaltungen zu unterscheiden in Abend-Teilzeit, Block-Teilzeit oder Wochenend-Teilzeit.

Faktisches vs. offizielles Teilzeitstudium

Im Grundsatz ist das Teilzeitstudium ein rechtlicher Status, der vor allem an Präsenzuniversitäten nur selten anzutreffen ist, obwohl er in vielen Fällen die Lebenssituation Studierender besser abbildet als ein Vollzeitstudium. Formal gelten Sie als faktisch teilzeitstudierend, wenn Sie trotz der Immatrikulation in einem Vollzeitstudiengang regelmäßig weniger als 25 Wochenstunden für das Studium zur Verfügung haben. Statistisch sind nur rund 2,5 Prozent der in Deutschland wählbaren grundständigen Studiengänge (Erststudium) für das Teilzeitstudium zugelassen.

Vielseitiges Angebot

Für Erststudien oder aufbauende Zusatzstudien stehen eine Vielzahl alternativer Möglichkeiten für ein offizielles Teilzeitstudium zur Wahl. Eine breitgestreute Zielgruppe von Schulabgängern bis zu seit mehreren Jahren im Berufsleben stehenden Akademikern findet im Gesamtangebot, das Schwerpunkte in betriebswirtschaftlichen und technischen Studiengängen aufweist, passende Angebote. Da der prozentuale Anteil der Teilzeit-Studierenden mit abgeschlossenem Erststudium relativ hoch ist, sind auch weiterqualifizierende Studiengänge wie Aufbaustudien und Master-Abschlüsse stark vertreten. Allen Angeboten ist gemeinsam, dass erst der Nachweis der jeweiligen Studienberechtigung (Hochschulreife oder Erststudienzeugnis) eine Zulassung zum Studium ermöglicht.

Individuelle Lernformen

Eine Mehrheit der Teilzeitstudiengänge ist stärker auf den Multimediaeinsatz ausgerichtet als das klassische Vollzeitstudium an einer Präsenzhochschule. Damit werden zeitliche Differenzen ausgeglichen und Betreuungslücken geschlossen. Ähnlich dem klassischen Fernstudium müssen Sie in einem Teilzeitstudium einen großen Teil der Lernleistung im Eigenstudium erbringen, der persönliche Kontakt zu Lehrenden und Kommilitonen bleibt aber immerhin zeitweise vorhanden. Trotzdem ist das Teilzeitstudium schon wegen seiner verlängerten Regelstudienzeiten eine Verpflichtung zu selbstdiszipliniertem Lernen für mehrere Jahre und insofern eine Herausforderung für Ihr Durchhaltevermögen.

Anbieter

Die Teilzeitstudienangebote öffentlicher Universitäten und Fachhochschulen sind bislang rar gesät. Damit unterscheidet sich die deutsche Hochschullandschaft stark vom anglo-amerikanischen Raum, wo Teilzeit-Studienangebote, die an die Lebensrealität der Studierenden angepasst sind, zum Standardrepertoire der Hochschulen zählen. Als bekannteste private Anbieter von Teilzeitstudiengängen mit Präsenzunterricht haben sich in Deutschland bislang vor allem fünf Hochschulen mit überwiegend wirtschaftlichen und technischen Studiengängen profiliert:

AKAD Hochschulen

Vier Hochschulen in Lahr, Stuttgart, Pinneberg und sowie drei weitere Studienzentren ermöglichen neben allgemeinen Weiterbildungsstudiengängen auch Bachelor-, Master- und Diplom-Abschlüsse sowie den MBA im Teilzeitstudium. Der Fernstudienanteil liegt mit rund 70 Prozent vergleichsweise hoch. Das Hochschulstudium der AKAD-Hochschulen ist in sieben Wirtschaftsfachrichtungen, Ingenieurswissenschaften und Sprachen möglich.

Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW)

An der FHDW mit Hauptsitzen in Hannover und Paderborn werden sechs Bachelor-Studiengänge mit unterschiedlichen Wirtschaftsschwerpunkten im dualen System angeboten. Zwei dieser Bachelor-Studiengänge (Betriebswirtschaft, Wirtschaftsinformatik) sind auch im berufsbegleitenden Teilzeitstudium möglich. Weitere sechs Studiengänge bereiten berufsbegleitend auf den Master-Abschluss vor. Der Besuch von Lehrveranstaltungen ist an den Hauptstandorten und in bundesweit vier Studienzentren möglich.

Fachhochschule für Ökonomie und Management (FOM)

Die FOM bietet für Auszubildenden und Berufstätige insgesamt sechs Bachelor- und neun Masterstudiengänge mit differenzierten Wirtschaftsschwerpunkten im Teilzeitstudium an. Die Präsenzveranstaltungen werden an bundesweit 20 Hochschulzentren sowie in Luxemburg abgehalten. Für diese Lehrformen bietet die FOM drei verschiedene Teilzeitmodelle.

Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW)

Die HTW bietet drei grundständige Studiengänge (Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau), die nach Wahl mit Bachelor oder Diplom abgeschlossen werden können. Für ein berufsbegleitendes Zweitstudium stehen jeweils drei Master- und drei MBA-Programme zur Auswahl. Das Teilzeitstudium an der HTW findet zu beinahe gleichen Teilen als Präsenz-, Selbst- und Onlinestudium statt.

Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL, früher FH Telekom)

Das Teilzeitstudium im Gesamtstudienangebot ist fast identisch mit dem ebenfalls an der HfTL möglichen Direktstudium. Angeboten werden im berufsbegleitenden oder dualen Teilzeitstudium Bachelor-Studiengänge der Telekommunikationsinformatik, Wirtschaftsinformatik und Telekommunikation sowie der Master-Abschluss für Informations- und Kommunikationstechnik. Studienorte der HfTL sind Leipzig und Dieburg.

Kosten

Für viele Studierenden sind hohe Lebenshaltungskosten der Grund, sich neben einem Vollzeitstudium von rund 40 bis 45 Wochenstunden noch einen Studentenjob zu suchen. Im Teilzeitstudium ist es genau umgekehrt. Neben der Berufstätigkeit von bis zu 40 Stunden im Angestelltenverhältnis betreiben Sie ein Studium, bei dem es auf die Semesteranzahl weniger ankommt als das bei einem Vollzeitstudium der Fall ist. Während eines Teilzeitstudiums ist meistens die finanzielle Situation gesichert und ein Studienabbruch aus Kostengründen ist wesentlich seltener als an Präsenzhochschulen.

Teilzeitstudium an öffentlichen Hochschulen

Mit dem Status als Teilzeit-Studierender haben Sie neben formalen Erleichterungen wie Verlängerung von Prüfungsfristen und sanktionsfreier Überschreitung von Regelstudienzeiten vor allem einen Kostenvorteil durch deutlich reduzierte Semester- und Studiengebühren. Dem stehen finanzielle Nachteile gegenüber, da Ihnen bestimmte soziale Vergünstigungen wie Semestertickets nicht zustehen. Ebenso entfällt Ihr Anspruch auf Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz. Verlagerte Kosten entstehen Ihnen zudem durch die Dauer des Studiums. Außerdem wird das Einhalten von Regelstudienzeiten spätestens in der post-gradualen Bewerbungsphase relevant und vollzeitstudierende Kommilitonen sind bei der Stellensuche im Vorteil.

Teilzeitstudium an privaten Hochschulen

Anbieter von Teilzeitstudien sind neben wenigen öffentlichen Hochschulen vor allem private Studieneinrichtungen, für die Studiengebühren einen wichtigen Bestandteil ihrer Einnahmen darstellen. Entsprechend bewegen sich Studiengebühren durchschnittlich oberhalb der Einschreibegebühren von Hochschulen ohne Studiengebühren. Diese Kostenhöhe relativiert sich jedoch in manchen Bundesländern, deren Universitäten und Fachhochschulen bereits für das grundständige Erststudium vierstellige Studiengebühren pro Semester erheben.

Eine generelle Aussage zu den Studienkosten ist nicht möglich, weil die Gebührenmodelle schon für die einzelnen Abschlüsse stark schwanken. Die Bandbreite der Kosten reicht von der Bezahlung einzelner Module im Erststudium, für die zweistellige Euro-Beträge fällig werden, bis zum Erheben von Gesamtstudiengebühren für MBA-Programme, die leicht den fünfstelligen Bereich erreichen. Trotzdem ist die finanzielle Belastung durch reine Studienkosten in der Mehrheit der Fälle wegen der gleichzeitigen Berufstätigkeit geringer als bei Vollzeit-Studierenden ohne Bafög-Ansprüche. Nicht zuletzt die steuerliche Absetzbarkeit zum Jahresabschluss macht das möglich.

Vorteile & Nachteile

Einige der benennbaren Vor- oder Nachteile eines Teilzeitstudiums sind naturgemäß subjektiv und können sowohl in der einen als auch der anderen Kategorie gewertet werden. Beispielsweise relativiert sich die im Teilzeitstudium verlängerte Regelstudienzeit durch die in vielen Fällen gleichzeitig wachsende Berufserfahrung oder die Entwicklung persönlicher Kompetenzen durch effizientes Familienmanagement.

Pro Teilzeitstudium

Ein sehr individuelles Argument, das grundsätzlich für das lebenslange Lernen und damit auch für ein berufsbegleitendes Teilzeitstudium spricht, ist die intellektuelle Stimulation als Abwechslung zur Alltagsroutine. Darüber hinaus sprechen jedoch auch praktische Vorteile für die Einschreibung in einen Teilzeitstudiengang. So ist gesamtgesellschaftlich vor allem die Tatsache von Vorteil, dass angehende Akademiker deutlich früher als ihre Vollzeit-Kommilitonen in eine qualifizierte Berufstätigkeit einsteigen können. Dies gilt ganz besonders, wenn Sie direkt nach der Schule parallel zur Ausbildung ein Teilzeitstudium absolvieren. Auf der persönlichen Ebene hat dieser frühe Berufseinstieg durch ein duales Studium neben finanziellen Vorteilen vor allem die elegante Verknüpfung von Theorie und Praxis mit entsprechend zügigen Lernfortschritten zur Folge. Die belebende Wechselwirkung kann Ihnen im Karriereverlauf dienlich sein, indem Sie schneller als nichtstudierende Kollegen Ihres Alters aufsteigen.

Von aktuellen und künftigen Arbeitgebern grundsätzlich hoch angerechnet werden die mit einem Teilzeitstudium nachgewiesenen persönlichen Eigenschaften wie Ehrgeiz und Selbstdisziplin, die als zusätzlich qualifizierend für Führungsaufgaben gelten. Wenn Sie parallel zu Familienzeiten ein Teilzeitstudium absolvieren, erhalten Sie Ihre bereits erworbenen beruflichen Fähigkeiten und werten diese sogar mit Zusatzqualifikationen auf. Insofern können Sie Lebensphasen, die Sie mit familiären Aufgaben füllen, gleichzeitig für Ihr berufliches Vorankommen und eine sinnvolle Weiterqualifikation nutzen.

Contra Teilzeitstudium

Im Wesentlichen sind es drei Gründe, die gegen ein Teilzeitstudium sprechen können: Kosten, Doppelbelastungen und zunehmendes Alter. Die drei Bereiche sind eng miteinander verzahnt und können sich im Einzelfall potenzieren. Sie variieren jedoch individuell auch stark. Wenn Sie beispielsweise in einem unsicheren Arbeitsverhältnis stehen, werden Sie den Kostendruck durch die Studiengebühren stärker empfinden als die Kommilitonen, deren berufliche Situation gefestigter ist. Die Mehrfachbelastung durch Studium, Beruf und Familie wiederum ist für Alleinerziehende mit Sicherheit vehementer, als wenn Sie in einer Familie Rückhalt finden, die Ihnen das temporäre Zurückschrauben auf eine Teilzeitbeschäftigung parallel zum Teilzeitstudium ermöglicht. Generell ist jedoch die Doppel- oder Mehrfachbelastung nicht zu unterschätzen, da die fehlenden Erholungsphasen an Wochenenden und im Urlaub langfristig auch physische Grenzen aufzeigen und nicht selten leiden Teilzeitstudierende unter stressbedingten Krankheiten. Wenn der Stress überhandnimmt, führt das bestenfalls zu einer zusätzlichen Verlängerung des Teilzeitstudiums. Der Zugang zu einer Ihrer künftigen Qualifizierung angemessenen Tätigkeit kann dann durch das “fortgeschrittene” Alter manchmal eingeschränkt sein.

Zielgruppe

Prinzipiell kann jeder, der eine Hochschulzugangsberechtigung mindestens in Form der Fachhochschul- oder allgemeinen Hochschulreife nachweisen kann, sich für ein Teilzeitstudium immatrikulieren. Manche treffen allerdings aufgrund persönlicher Voraussetzungen in einem Teilzeitstudium bessere Studienbedingungen für ihre individuelle Lebenssituation an. Dies gilt speziell, wenn Sie sich im Alltag mit zusätzlichen zeitlichen, gesundheitlichen oder psychischen Belastungen arrangieren müssen.

Berufsbegleitendes Teilzeitstudium

Das berufsbegleitende Teilzeitstudium hat eine ähnliche Zielgruppe wie Fernstudiengänge, zu denen es auf Anbieterseite teilweise Überschneidungen gibt. Tatsächlich sind Berufstätige die Kernzielgruppe von Teilzeitstudienangeboten, mit denen Sie trotz beruflichem Engagement bereits vorhandene Qualifikationen aufwerten können. Selbst wenn Sie in Teilzeit beschäftigt sind, bildet die Anwesenheitspflicht vieler Vorlesungen und Seminare oft ein Hindernis beim Erwerb notwendiger Kreditpunkte für das Vollzeitstudium. Berufstätige können durch ein parallel betriebenes Erststudium, ein karriereförderliches Aufbaustudium oder ein Masterprogramm Qualifikationen für ein verantwortungsvolleres Wunschtätigkeitsfeld aufbauen.

Berufsintegrierendes Teilzeitstudium

Ein besonderer Teilbereich in den Teilzeitstudien richtet sich an Berufsanfänger, die nach dem Schulabschluss parallel eine betriebliche Ausbildung und ein Studium absolvieren wollen. Das duale Studium ist häufig ein Angebot großer Unternehmen, die mittelfristig leistungsstarken und karriereorientierten Nachwuchs im Unternehmen halten wollen. Alternativ gibt es Angebote für ein Studium im Praxisverbund, bei denen Studierende einer Hochschule bei betrieblichen Kooperationspartnern praktische Erfahrungen in qualifizierten Praktika sammeln. In beiden Fällen wechseln sich Abschnitte mit Vollzeitberufstätigkeit und Vollzeitstudium ab.

 

Teilzeitstudium in besonderen Lebensphasen

Die dritte große Zielgruppe für Teilzeitstudiengänge sind alle, die Erziehungszeiten oder die Pflege von Familienangehörigen für die berufliche Fortentwicklung nutzen wollen. In diesen Fällen erleichtert das Teilzeitstudium den bruchfreien Wiedereinstieg auf gleicher oder sogar höherer Karrierestufe nach den Familienzeiten. Die Teilzeit-Studienorganisation ist gut vereinbar mit der täglichen Routine, da die notwendige professionelle Unterstützung bei Pflege oder Kinderunterbringung auch oft nur halbtags zu organisieren ist.

Teilzeitstudienangebote richten sich außerdem gezielt an alle, denen gesundheitsbedingt nur begrenzte Konzentrations- oder Anwesenheitsphasen möglich sind. Physische Einschränkungen wie chronische Erkrankungen oder Behinderungen erschweren manchmal schon wegen der fehlenden Flexibilität ein reguläres Vollzeitstudium.

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